Botschaft der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland

, Kyiv 00:24

Europas Wünsche an Deutschland

22 September, 17:24

Wenn die Deutschen am Sonntag wählen, entscheiden sie auch über die Zukunft des Kontinents. Ein Franzose und ein Ukrainer erklären, welche Rolle Deutschland nach dem 24. September übernehmen muss.

Von Pawlo Klimkin

Ganz Europa schaut auf Deutschland und seine Wahl. Auch die Ukraine ist Europa. Wir sind jetzt mehr Europa als je zuvor – sowohl im Sinne des Selbstgefühls als auch im Sinne des unermesslich hohen Preises, den wir für unsere europäische Wahl zahlen müssen.

Uns geht es nicht um die zu wählenden Namen (die sind allein den deutschen Wählern überlassen), sondern darum, ob Deutschland für Europa das bleibt, was es ist. Und hier sind aus meiner Sicht drei Dinge am wichtigsten.

Erstens: Deutschland ist die Tragsäule des europäischen Projekts, das in Gefahr ist wie nie zuvor. Es gibt politische Kräfte, die mit Erfolg an die menschlichen Schwächen appellieren: Egoismus, Intoleranz, Gleichgültigkeit – und darauf eine neue, dunklere Zukunft Europas bauen wollen. Man bringt Europäern nahe: Die europäische Einigkeit ist verbraucht, es geht auch ohne sie. In dieser Zeit steht Deutschland wie ein Fels in der Brandung: Ohne starkes, proeuropäisches Deutschland ist Europa dazu verdammt, die schlimmsten Erfahrungen des 20. Jahrhunderts aufs Neue zu machen.

Zweitens: Deutschland ist in vielerlei Hinsicht das Gewissen Europas. Der Feldzug des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegen die Ukraine war ein moralischer Test für viele. Man reagierte auf verschiedene Weise – aber niemand nahm sich den Schmerz und die Ungerechtigkeit der Bestrafung der Ukraine für ihre Wahl so sehr zu Herzen wie Deutschland. Und niemand trägt so aufrichtig dazu bei, dass der Frieden und die Gerechtigkeit doch noch wiederhergestellt werden. Dafür danke ich von ganzem Herzen!

Drittens: Deutschland ist der Motor Europas. Gedeiht Deutschland, so geht es auch anderen Europäern besser. Dies braucht keine Erklärung. Die wirtschaftlichen Erfolge Deutschlands waren in den letzten Jahren ein Hoffnungsfaktor für uns alle. Ich hoffe, dass das auch so bleiben wird.

Seit den Anfängen des europäischen Projekts war eines klar: Ein vereintes Europa wird nicht nur gute Momente erleben. Die "Raison d'être", also sozusagen die Daseinsberechtigung der Europäischen Union besteht darin, in schwierigen Zeiten (wie zum Beispiel jetzt) gut zu funktionieren. Diese Aufgabe nimmt sowohl wirtschaftliche Stärke als auch Überzeugung in Anspruch. Die Bundesrepublik Deutschland hat bislang beides gehabt.

Quelle:  |  Rheinische Post Autor: Ukrainischer Außenminister Pawlo Klimkin

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