Ab heute sollen in der Ost-Ukraine wieder die Waffen schweigen. In BILD erklärt der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko (51), warum er mit weiteren Angriffen Russlands rechnet.
BILD: Wann gibt’s endlich Frieden in der Ukraine?
Petro Poroschenko: „Der Grund, dass das Friedensabkommen von Minsk nicht funktioniert, hat einen Namen: Putin! Wir haben in der Ukraine alles für den Frieden getan, Gesetze geändert, uns an die Vereinbarungen gehalten, aber Russland tötet weiter. Die Versprechen, die Russlands Regierung macht, werden täglich gebrochen. Die Situation in Teilen der Ost-Ukraine ist dramatisch. Wir haben eindeutige Beweise dafür, dass ganz gezielt Zivilisten angegriffen werden. Putin schafft dort ein ukrainisches Aleppo.“
Aber es gibt ein neues Abkommen über eine Waffenruhe …
Poroschenko: „Ich habe in den vergangenen Jahren schon so viele Abkommen erlebt, aber nie hat sich Russland daran wirklich gehalten. Es ist doch ganz einfach: Wenn sich Putin an Minsk hält, wenn endlich die Truppen abgezogen werden aus unserem Land, dann gibt es Frieden. Aber danach sieht es momentan leider nicht aus.“
Fühlen Sie sich von den USA im Stich gelassen?
Poroschenko: „Ganz im Gegenteil! Ich hatte in München ein hervorragendes Gespräch mit US-Vizepräsident Mike Pence. Wir teilen die gleichen Werte und Pence kennt die Situation in der Ost-Ukraine im Detail. Er weiß auch, warum Minsk nicht funktioniert und dass die Schuld dafür einzig und allein bei Russland liegt. Dass Russland jetzt Pässe aus den besetzten Gebieten akzeptiert, zeigt einmal mehr den ganzen Einfluss. Was braucht es da noch an weiteren Beweisen?“
Haben Sie über Waffenlieferungen gesprochen?
Poroschenko: „Wir verteidigen in der Ukraine Europa gegen die russischen Aggressionen! Und wir alle wissen, dass es nach der Ukraine auch andere Länder treffen kann. Russland testet von Donezk aus die modernsten Waffensysteme, die es auf der Welt gibt. Im besetzten Gebiet sind alleine 700 Panzer und 1250 Artillerie-Systeme, die gegen die Ukraine eingesetzt werden. Wissen Sie: Ich bin ein Präsident des Friedens, aber es geht darum, unser Land und die Menschen zu verteidigen. Dafür brauchen wir dringend mehr defensive Waffen. Ich bin zuversichtlich, dass die USA und Europa das verstehen.“
Haben Sie noch Hoffnung, dass die Krim je wieder zur Ukraine gehört?
Poroschenko: „Die Krim ist und bleibt ukrainisch, und ich versuche als Präsident alles, damit Russland von dort abzieht. Die Probleme auf der Krim sind schon jetzt riesig.“
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