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„Wir werden Russlands Schuld beweisen können!“
Veröffentlicht am 07 Juni 2018 Jahr 10:36

Die Welt diskutiert noch immer über die vorgetäuschte Ermordung des russischen Journalisten Arkadi Babtschenko durch den ukrainischen Geheimdienst. In BILD spricht Behördenchef Vasyl Hrytsak.

Bild-Reporter Paul Ronzheimer (l.), Vasyl Hrytsak und BILD-Chefredakteur Julian ReicheltFoto: Daniel Biskup

BILD: Warum mussten Sie den Mord des Journalisten vortäuschen?

Vasyl Hrytsak: „Wir haben keine andere Möglichkeit gesehen, um das Leben des Journalisten zu schützen und gleichzeitig an weitere Informationen zum Auftraggeber zu kommen. Dadurch, dass der Auftraggeber dachte, dass Babtschenko wirklich tot ist, gab es Kontaktaufnahme und Kommunikation, die wir im Zuge der Ermittlungsmaßnahmen abfangen konnten und die für uns entscheidend waren bei der Aufklärung. So konnten wir an eine Liste kommen mit 47 Namen, die ebenfalls ermordet werden sollten.“

 

Aber der ukrainische Geheimdienst steht jetzt weltweit in der Kritik: War es das wert?

Hrytsak: „Ja, natürlich war es das wert, weil wir viele Leben schützen konnten. Es war eine Sonderoperation, die sehr erfolgreich war. Wir wollten niemanden in die Irre führen und ich entschuldige mich bei allen Pressevertretern, denen wir zunächst nicht die Wahrheit sagen konnten. Dass uns jetzt sogar Vorwürfe in Bezug auf Babtschenkos Familie gemacht werden, ist aber absurd. Seine Ehefrau war von Anfang an in die Geheimdienstaktion eingeweiht.“

 

Sie beschuldigen Russland. Was haben Sie für Beweise?

Hrytsak: „Wir sind weiter in den Ermittlungen, aber ich kann schon jetzt sagen, dass der Datenträger mit der Liste sehr entscheidend sein wird. Wir können hier durch ein Gutachten dieser Daten ihre Ursprungsquelle und schließlich die gesamte „Kette“ feststellen. Ich bin sicher: Wir werden am Ende beweisen können, dass russische Geheimdienste hinter der Aktion stecken.


Welches Interesse sollte der russische Geheimdienst haben?

Hrytsak: „Die russischen Geheimdienste kennen keine Regeln, 26 ukrainische Geheimdienstmitarbeiter sind seit Beginn des Krieges bereits ermordet worden. Es geht Russland darum, die Lage in der Ukraine weiter zu destabilisieren. Wenn Babtschenko umgebracht worden wäre und möglicherweise noch weitere Morde passiert wären, hätte das massiv für Unruhe in unserem Land gesorgt und uns wäre der Vorwurf gemacht worden, dass wir die Menschen nicht schützen können.“

 

Erwarten Sie, dass Russland die Fußball-WM für Geheimdienstoperationen nutzen wird?

Hrytsak: „Es würde mich nicht wundern, wenn Russland die Lage im eigenen Land destabilisiert, um dann der Ukraine die Schuld zu geben. Sie sind zu allem fähig, sogar zu selbst inszenierten Anschlägen im eigenen Land, um dann uns verantwortlich zu machen.“

BILD, Chef des Geheimdienstes Wasyl Hryzak

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