In der von Separatisten beherrschten Ost-Ukraine droht die radioaktive Verseuchung von Trinkwasser. Davor warnte der Umweltminister der Ukraine, Ostap Semerak, in Berlin. Bei der Parlamentarier-Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Reichstag machte er die Separatisten und die Kämpfe mit den Regierungstruppen dafür verantwortlich.
In der ehemaligen Kohlenmine Yuny Komynar in der Nähe von Donetsk hatte die Sowjetunion 1979 in geringer Tiefe eine Atomexplosion durchgeführt. Seither wurde Wasser aus der Grube gepumpt. Damit hätten die Aufständischen der „Donetsker Volksrepublik“ vor einigen Monaten aufgehört.
Sollte das Grubenwasser bis in den durch die Explosion entstandenen Hohlraum steigen, könnten radioaktive Stoffe ausgewaschen werden, sich durch das Grundwasser und zwei angrenzende, gleichfalls geflutete Minen ausbreiten und das Trinkwasser verseuchen. Russische Spezialisten sollen diese Gefahr abgestritten haben, unabhängige Experten bekamen keinen Zugang.
Insgesamt seien mittlerweile 36 Bergwerke mit Wasser vollgelaufen oder liefen voll, wodurch auch anders Schadstoffe ins Grund- und Trinkwasser gerieten.
Semerak und eine Mitarbeiterin eines von Österreich und Kanada kofinanzierten sowie von der OSZE begleiteten Projekts berichteten von weiteren Umweltgefahren in der Ost-Ukraine, in der noch rund drei Millionen Menschen leben würden: Es gebe viele Waldbrände, der Boden werde durch die seit 2014 anhaltenden Kämpfe mit Schwermetallen aus Munition verseucht. Eine Reihe der rund 4500 Fabriken, die mit umweltgefährdeten Stoffen gearbeitet hätten, seien beschossen und beschädigt worden. Dazu komme der zeitweilige oder vollständige Ausfall von Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung.
Auf der von Russland annektierten Krim gibt es nach Auskunft des von Russland als „Terrorist“ geführte krimtatarischen Politikers Refat Tschubarow ein weiteres Problem: Die Halbinsel werde nicht mehr vom ukrainischen Festland aus mit Wasser versorgt. Darunter leide die Landwirtschaft, und die Menschen begännen, Brunnen zu bohren. Dabei würden sie schnell auf salziges Wasser stoßen, erklärte Tschubarow, Vorsitzender der mittlerweile krimtatarischen Volksvertretung Medschlis. Die Landschaft der Krim werde außerdem durch die Militarisierung durch Russland zerstört.
Unmittelbare Lebensgefahr besteht für die Zivilbevölkerung durch die Masse an Minen, die inzwischen auf rund 16.000 Quadratkilometern verlegt worden seien. Der ukrainischstämmige Eugene Czolij, Präsident des Ukrainischen Weltkongresses: Über 2500 Menschen seien den Minen inzwischen zum Opfer gefallen, darunter 240 Kinder. Man werde 40 Jahre brauchen, um die Gefahr zu beseitigen.