Ukrainischer Botschafter besucht verletzte Soldaten
Andrij Melnyk dankt Ärzten in Wandsbek – und spricht über den „vergessenen Krieg“
Hamburg Andrij Melnyk klingt wehmütig, wenn er über diesen Abschnitt spricht. „Unsere Hamburger Jahre waren für meine Familie und mich bisher die schönste Zeit im Leben“, erzählt der ukrainische Botschafter, als er im Rahmen seines Hamburg-Aufenthalts am Mittwoch auch das Abendblatt besucht. „Damals konnte ich mich um Themen wie Kultur, Hafen und Wirtschaft kümmern – heute verbringe ich 90 Prozent meiner Zeit mit Kriegsdiplomatie.“
Melnyk war von 2007 bis 2010 Generalkonsul in Hamburg. 2014 begann der bewaffnete Konflikt zwischen ukrainischen Streitkräften und prorussischen Rebellen in der Ostukraine, den Melnyk heute als „vergessenen Krieg“ bezeichnet. In der Region Donbass herrsche „ein sehr brüchiger Waffenstillstand“, sagt er. Geschossen werde weiterhin von beiden Seiten. Fast jeden Tag seien Tote und Verletzte zu beklagen.
Hamburg bietet medizinische Hilfe: Derzeit werden sechs Soldaten aus der Ukraine im Bundeswehrkrankenhaus in Wandsbek behandelt. Zwei von ihnen wurden erst vor zwei Monaten bei Kämpfen verletzt. Melnyk hat sie besucht. Sie seien guter Dinge, sagt der Botschafter, auch weil sie wüssten, dass in der Klinik vor ihnen schon etliche andere Kameraden gut versorgt wurden.
Seit Beginn des Ukraine-Konflikts seien verwundete ukrainische Soldaten in Deutschland an verschiedenen Standorten der Bundeswehr und eben auch in Hamburg behandelt worden. „Ich habe mich bei den Ärzten und Pflegekräften für ihr Engagement bedankt. Dieses Zeichen der Solidarität ist für uns sehr wichtig“, sagt Melnyk.
In der kommenden Woche werden 16 Kinder aus Tschernobyl in der Schön Klinik Eilbek auf Auffälligkeiten untersucht, die von der Strahlung infolge der Nuklearkatastrophe in dem heute stillgelegten Kernkraftwerk Tschernobyl herrühren. „Falls nötig, werden sie auch kostenlos operiert“, sagt ein Sprecher der Klinik. Organisiert hat den Besuch der Ahrensburger Verein Pryvit, der Hilfe für Kinder aus dieser Region anbietet.
Botschafter Andrij Melnyk sagt, er freue sich über die „zahlreichen Verbindungen nach Hamburg“ und hoffe, dass trotz des Ukraine-Konflikts künftig auch wieder Themen wie Kultur und Wirtschaft in den Fokus rückten. joa/mha