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Ansprache des Botschafters der Ukraine in Deutschland Oleksii Makeiev im Niedersächsischen Landtag
Veröffentlicht am 27 Februar 2025 Jahr 13:00

Am 26. Februar 2025 sprach der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Oleksii Makeiev, vor dem Plenum des Niedersächsischen Landtages.

Ansprache des Botschafters der Ukraine in Deutschland:

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Meine Damen und Herren! Liebe Freundinnen und Freunde der Ukraine! Дорогі українки й українці! Es ist mir eine Ehre, hier heute in Hannover zu sprechen – zwei Tage nach dem dritten Jahrestag der russischen Großinvasion gegen die Ukraine, elf Jahre nach dem illegalen Einmarsch von russischen Truppen auf die Krim. Frau Präsidentin, Sie haben von dem von zwei Weltkriegen geprägten Europa gesprochen. Wir in der Ukraine fühlen uns im dritten Weltkrieg. Das ist die Realität.

Hier in Hannover fand vorgestern eine große Demonstration zur Unterstützung der Ukraine statt. Viele von Ihnen waren auch dort, und ich danke Ihnen dafür. In Simferopol fand heute vor elf Jahren am 26. Februar 2014 ebenso eine große Demonstration mit einem Meer aus ukrainischen Fahnen und ukrainischen Liedern statt. Vertreter von vielen Nationalitäten standen auf dem Platz in Simferopol – Ukrainer, Krimtataren, Griechen –, und das, obwohl die Krim schon eine Woche von russischen Truppen besetzt wurde. Aber die Menschen waren mutig. Sie leisteten Widerstand gegen die Besetzung ihrer Heimat.

Diesen Mut brauchen wir auch heute – und nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Westen. Mut erfordert Stärke, und unsere Stärke in der Ukraine und auch in Deutschland und in Europa sind Einigkeit und Einheit.

Ich glaube, es ist sehr leichtsinnig, zu hoffen, dass jemand Stärkerer immer da sein wird, um für unsere Sicherheit zu sorgen. Unsere Zeit erfordert mehr Churchills und weniger Chamberlains. Und die Zeit läuft uns davon. Die Stunde Europas hat geschlagen, und das Herz Europas schlägt heute in der Ukraine. Denn unsere Freiheit ist unteilbar. Unsere Sicherheit ist unteilbar. Denn wir Ukrainer sind auch Europäer. Und wenn wir wissen, dass wir zusammen mit unseren europäischen Partnern dastehen – und nicht nur stehen, sondern kämpfen –, dann macht das uns Europäer stärker.

Hier in diesem Saal sind viele Ukrainerinnen und Ukrainer. Gemeinsam mit deutschen Freunden leisten sie heute aus Deutschland Hilfe für die ukrainischen Städte und Gemeinden. Das ist mehr als ein Zeichen der Solidarität. Denn die Zeit der Symbole ist längst vorbei. Das sind konkrete Taten, konkrete Hilfen. Ich danke dem Land Niedersachsen für diese Hilfe, die die Ukraine jetzt braucht.

Hier in Niedersachsen – da bin ich mir sicher – versteht man das. Hannover ist ungefähr 2 000 km von der ukrainischen Partnerstadt Mykolajiw entfernt. Diese Partnerschaft zwischen den Hauptstädten Hannover und Mykolajiw und zwischen dem Land Niedersachsen und dem Gebiet Mykolajiw ist etwas ganz Spezielles. Es gibt auch andere Städtepartnerschaften zwischen niedersächsischen und ukrainischen Städten und Dörfern, wie Hambergen und Krywe Osero und Tryduby.

Ich begrüße die Entscheidung der Landeshauptstadt Hannover, anlässlich des dritten Jahrestages des Angriffskrieges die Unterstützung mit Mykolajiw auszubauen. Ich weiß, dass es beim Wiederaufbau der Stadt immer um konkrete Projekte und unter anderem ganz einfach um Trinkwasser geht. Mykolajiw ist für russische Begriffe ein bekanntes militärisches Objekt. Immer wieder und wieder greift Russland Mykolajiw an und zerstört die Wasserversorgung. Das führt dazu, dass die Menschen ihr Trinkwasser in Kanistern von den Ausgabestellen in der Stadt nach Hause tragen müssen. Die Bewohner der Stadt Mykolajiw sind sehr dankbar für die technische Ausrüstung und für Wasserpumpen, die aus Niedersachsen kommen.

Es gibt weitere wichtige Projekte, wie zum Beispiel die Lieferung medizinischer Güter und Ausrüstung, die Ausbildung von medizinischem Personal und das Prothesen-Rehabilitationszentrum in Mykolajiw. Wir sprechen auch über Schulpartnerschaften, Trauma-Behandlungsprogramme und andere wichtige Dinge für die Menschen. Denn im Endeffekt machen wir alles, was wir machen, nicht für die Länder, sondern für die Menschen; denn in jeder Demokratie steht der Mensch im Zentrum.

Ich stimme Ihnen zu, liebe Frau Landtagspräsidentin: Dieser Krieg darf nie in den Hintergrund treten. Denn das ist leider unser gemeinsamer Krieg – oder, wie es mein guter Freund, der polnische Botschafter in Deutschland, Jan Tombiński, vorgestern am Pariser Platz am Brandenburger Tor sagte: Das ist nicht unser Krieg, das ist der Krieg Russlands gegen uns alle. Denn Russland hat uns alle im Visier. Im 21. Jahrhundert führt Russland Krieg gegen die Ukrainerinnen und Ukrainer, aber auch gegen Europäerinnen und Europäer, gegen ganz Europa. Und es ist an der Zeit, dass Europa seinen Frieden zurückgewinnt.

Ich sage immer: Leider fällt Frieden nicht vom Himmel. Frieden und Demokratie müssen verteidigt werden, gerade heute.

Ich kann behaupten: Es gibt niemanden auf dieser Welt, der diesen Frieden so stark will wie die Ukrainerinnen und Ukrainer. Aber für diesen Frieden wird gekämpft, jeden Tag. Gerade heute, in dieser Nacht, hat Russland die Ukraine mit 176 Drohnen attackiert. Und es gibt leider auch Tote in der Region Kyjiw und in Charkiw.

In den Wochen nach den ersten Gesprächen zwischen den Russen und den Amerikanern – angeblich über den Frieden – hat uns Russland jeden einzelnen Tag mit Raketen und Drohnen attackiert. Auch an dem Jahrestag – am Montag –, als sich 14 Staats- und Regierungschefs in der Ukraine versammelten, hat Russland wiederum die Ukraine attackiert und die Menschen in die Schutzbunker gejagt.

Was können wir tun? In erster Linie bitte ich Sie, auch in diesen schwierigen Zeiten nicht so viel aus Mitleid zu tun, sondern bitte auch aus Bewunderung dafür, dass so viele Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer jeden Tag einen Beitrag dazu leisten, dass der Frieden in Europa wiederhergestellt wird.

Wenn ich hier in Deutschland höre, dass die Deutschen an der Seite der Ukraine stehen, dann ist das ein wichtiger Beitrag dafür, dass unsere Soldatinnen und Soldaten an der Frontlinie, unsere Zivilistinnen und Zivilisten zu Hause, unsere Lehrer und unsere Ärzte verstehen: Wir sind in Europa, und wir sind da zusammen mit anderen Europäern.

Europa muss weiter stark sein. Denn Frieden ist die Belohnung für die Starken. Deshalb ist ein starkes Europa die einzige Option. Und Einigkeit ist die Voraussetzung für die Stärke. Die Ukraine muss diesen Krieg gewinnen und Frieden in Europa zurückgewinnen. Europa muss diesen Krieg gewinnen!

Ich bin mir sicher, dass wir Ukrainer eines Tages über unseren Köpfen keine Raketen mehr sehen werden, sondern nur Zivilflugzeuge, die unsere Städte anfliegen und Sie in die schöne Ukraine bringen, damit wir uns für die Gastfreundlichkeit und Gastfreundschaft hier für über 1 Million Ukrainerinnen und Ukrainer persönlich bei Ihnen bedanken können – in einem freien und friedlichen Europa ohne Grenzen und ohne Krieg.

Ich danke Ihnen.

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