• A-
    A+
  • Für Sehbehinderte
  • Deutsch
  • Українською
"Wir brauchen Alliierte, keine Vermittler", - Interview des Botschafters der Ukraine Oleksii Makeiev dem Tagesspiegel
Veröffentlicht am 14 November 2022 Jahr 18:38

Im Interview mit Tagesspiegel spricht Botschafter der Ukraine Oleksii Makeiev über Waffen für die Ukraine und verschiedene diplomatische Stile, die ermöglichen, über das Thema offen aber auch auf Vertrauen basierend zu sprechen. Er erklärt, warum der heutige Krieg als Familienangelegenheit angesehen werden muss, und dankt den Deutschen für die unglaubliche Hilfe für seine Landsleute und bittet, auf die Ukraine mit ukrainischen Augen zu schauen.

Am vergangenen Wochenende hat Herr Botschafter Makeiev im Berliner Zoo die Leoparden besucht, wie er auf seiner Facebook-Seite angekündigt hat. Auf die Frage der Journalistin, ob so eine Anspielung auf die gleichnamigen Panzer, deren Lieferung sich die Ukraine von Deutschland wünscht, hilft, die Sache mit Humor zu nehmen, antwortet Botschafter Folgendes:

„Immer. Ich glaube, das ist auch gut angekommen. Seitdem ich in Berlin bin, habe ich oft von der „deutschen Tierwelt“ geredet, von Leoparden und Mardern. Das macht meine Gespräche etwas leichter.

In der Diplomatie gibt es viele verschiedene Stile. Ich hoffe, dass mein Umgang mit dem Thema helfen wird, es auf der Tagesordnung zu halten.“

Zu seinem Stil fügt er hinzu: „Ich will überzeugend sein. Es ist viel besser, wenn die Themen Waffenlieferungen und Schutz der Ukraine nicht als Gegenstand einer Auseinandersetzung, sondern als Familienangelegenheit betrachtet werden. Wenn man diesen Krieg als Familienangelegenheit sieht, hilft man einander. Die Ukraine ist ein Familienmitglied. Lasst sie uns gemeinsam schützen mit allem, was zur Verfügung steht! Lasst uns die Ukraine weiter in die europäische Familie integrieren, in EU und Nato!“

Die Gespräche laufen in Berlin sehr gut und sehr offen. Von Anfang an habe er versucht, Vertrauen aufzubauen. Dieses Vertrauen sei da, und er tue alles dafür, dass es erhalten bleibt.

In den Gesprächen appelliert er an die deutschen Partner: „Schaut auf die Ukraine mit ukrainischen Augen! Viele Deutsche haben nach einer Reise in die Ukraine begriffen, dass das eine Familienangelegenheit ist. Wer Butscha besucht hat, wer wegen eines Luftalarms in den Keller musste oder wer mit ukrainischen Männern und Frauen über die Gräueltaten in diesem Krieg gesprochen hat, versteht, warum der ukrainische Botschafter in Berlin so um Waffen bittet und so dankbar ist für alles, was Deutschland getan hat.“

Seine Botschaft ist klar: „Bitte schaut auf das, was in der Ukraine passiert, und betrachtet es als Angriff auf die Demokratie und auch auf euch. Wir alle sind schon lange in diesem Krieg, den Russland hier in Europa führt. Deutschland hat das selbst erlebt – die steigenden Energiepreise, die russische Propaganda, das Verbrechen im Kleinen Tiergarten, die Hackerangriffe auf den Bundestag.“

Wie kann Deutschland in dieser Situation am besten helfen, da fängt Botschafter Makeiev immer mit dem Wichtigsten an: mit Waffen. „Je schneller dieser Krieg gewonnen wird, desto weniger Einschläge gibt es in der Ukraine. Deswegen sage ich: Deutsche Waffen retten Leben. Deutsche Flugabwehrsysteme sorgen dafür, dass weniger russische Raketen die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur treffen. Aus dem gleichen Grund brauchen wir auch Schützenpanzer. Sie werden unseren Soldaten an der Front das Leben retten. Waffen sind wichtig, um den Krieg zu gewinnen. Zweitens brauchen wir Winterhilfe. Wir benötigen dringend Generatoren und Transformatoren“, sagt Botschafter im Interview.

Angesichts des anstehenden 90. Jahrestages des Genozids in der Ukraine, des Holodomor, betonte Oleksii Makeiev, dass man eine Diskussion über die Erinnerungspolitik in Bezug auf die Sowjetunion braucht, um der Verantwortung gegenüber der Ukraine gerecht zu werden. „Hoffentlich ist jetzt die Zeit gekommen, dass der Holodomor auch vom Bundestag als Genozid anerkannt wird. Dafür haben wir seit Jahren plädiert.“

Mit Russland kann man nur aus einer Position der Stärke verhandeln. Das haben wir in diesen Jahren gelernt. Russland geht so weit, wie wir es erlauben. Wenn auf eine Provokation keine Reaktion folgt, wenn es keine oder nur schwache Sanktionen gibt, macht Russland den nächsten Schritt. So geht das immer weiter. Gerade diejenigen, die ständig Friedensverhandlungen fordern, sollten das verstehen. "Wir brauchen Alliierte, keine Vermittler."

Was die Stimmung gegenüber den Ukrainern in Deutschland angeht, empfindet Botschafter Makeiev die als „sehr offen und herzlich“. Die Solidarität der Deutschen, die die Ukrainer so warmherzig begrüßt haben und ihnen Schutz geben, ist sehr wichtig. Das gehört auch zu der Familienangelegenheit. „Es ist mir ein Vergnügen, überall ukrainische Fahnen zu sehen. Ich werde jeden Tag im Supermarkt oder auf der Straße angesprochen. Die Leute legen ihre Hand aufs Herz und sagen mir: Wir stehen hinter euch“, fügt er hinzu.

Das Gespräch wurde von der Tagesspiegel Korrespondentin Claudia von Salzen geführt.

Foto: Tagesspiegel/Mario Heller 

Das volle Interview ist auf der Webseite vom Tagesspiegel zu lesen.

Outdated Browser
Для комфортної роботи в Мережі потрібен сучасний браузер. Тут можна знайти останні версії.
Outdated Browser
Цей сайт призначений для комп'ютерів, але
ви можете вільно користуватися ним.
67.15%
людей використовує
цей браузер
Google Chrome
Доступно для
  • Windows
  • Mac OS
  • Linux
9.6%
людей використовує
цей браузер
Mozilla Firefox
Доступно для
  • Windows
  • Mac OS
  • Linux
4.5%
людей використовує
цей браузер
Microsoft Edge
Доступно для
  • Windows
  • Mac OS
3.15%
людей використовує
цей браузер
Доступно для
  • Windows
  • Mac OS
  • Linux