Die Deutsch-Ukrainische Akademische Gesellschaft und die Botschaft der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland laden herzlich zum Vortrag von Frau Bozhena Kozakevych ein. Bozhena Kozakevych ist seit 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Entangled History of Ukraine an der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt Oder). Sie arbeitet an einem Dissertationsprojekt zum Thema „Juden und Christen: Sowjetische Religionspolitik in Berdytschiw (1921–1964)“ und gibt Seminare zur ukrainischen sowie zur allgemeinen osteuropäischen Geschichte. 2017 bis 2019 war Frau Kozakevych bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Projekt „Erinnerung bewahren“ beschäftigt. Im Rahmen dieses Projektes wurden 15 Gedenk- und Informationsorte sowie eine Freiluftausstellung in Berdytschiw geschaffen, die an die ermordeten Juden und Roma während der deutschen Besatzung in der Ukraine erinnern.
Vortragsexposé: Die Stadt Berdytschiw wird oft auch Jerusalem von Wolhynien genannt. Hier sind die ukrainische, jüdische, polnische und russische Geschichte eng miteinander verflochten. Die Stadt zeichnet sich gegenüber anderen vergleichbaren Städten der Zentralukraine durch ihre Geschichte, aber vor allem auch durch viele Mythen aus, die sich um sie ranken: Denn viele bekannte Persönlichkeiten, wie Honoré de Balzac, Joseph Conrad, Wassili Grossman oder Friedrich Gorenstein, sind mit Berdytschiw verbunden, wurden hier geboren, haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht oder haben einen schriftlichen Nachlass über die Stadt hinterlassen. Bozhena Kozakevych erforscht den Stadtraum Berdytschiws anhand der dort ansässigen Religionsgemeinschaften und ihrer strukturellen Veränderungen zwischen 1921 und 1964. Im Vortrag geht sie auf Teilaspekte ihrer Dissertation ein und versucht folgende Fragen zu beantworten: Wie wird die sowjetische Religionspolitik auf der Mikroebene Berdytschiws umgesetzt? Wer sind die lokalen Akteure dieser Politik? Wie finden sich die Einwohner Berdytschiws in der neuen sowjetischen Realität zurecht? Was bedeutet es, ein gläubiger Mensch in der Sowjetunion zu sein? Im Rahmen des Vortrags wird die staatliche Religionspolitik gegenüber den jüdischen, orthodoxen, katholischen und protestantischen Gemeinden in den 1920er und frühen 1930er Jahren beleuchtet.
THЕМА: Juden und Christen: Sowjetische Religionspolitik im Berdytschiw der 1920er und frühen 1930er Jahre
VORTRAGSSPRACHE: Deutsch (Diskussion auf Deutsch und Ukrainisch)
DATUM: DONNERSTAG, 22. OKTOBER 2020
ZEIT: 18:00 – 19:30 Uhr
Diese Veranstaltung findet online über das Programm BigBlueButton (BBB) statt. Weitere Details werden kurz vor der Veranstaltung an alle registrierten TeilnehmerInnen gesendet.
Anmeldung bis zum 20. Oktober 2020: [email protected]