In Berlin treffen sich Europas größte Nationen mit der Ukraine, um gemeinsame Stärke zu zeigen. Die Berliner Erklärung betont: Europas Zukunft wird nur gemeinsam und ohne Spaltung entschieden. Denn unsere Freiheit ist doch unteilbar, schreibt der Botschafter der Ukraine in Deutschland.
“Am Donnerstag konnte ich den ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha in Berlin begrüßen. Im Regierungsterminal des Flughafens Berlin-Brandenburg bin ich schon oft gewesen. Aber zum ersten Mal in meinem Leben wartete ich nicht auf eine ukrainische, sondern auf eine polnische Regierungsmaschine.
Der ukrainische und der polnische Außenminister stiegen gemeinsam aus. Nicht weil Warschau auf dem Weg von Kyjiw nach Berlin liegt, sondern weil es der richtige Weg ist. Nur gemeinsam sind wir stark.
Die Außenminister folgten einer Einladung ihrer deutschen Kollegin Annalena Baerbock. Mit dabei waren auch ihre Kollegen aus Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien sowie die Hohe Vertreterin der Europäischen Union. Also die sieben größten Länder Europas.
So fand nach dem Warschauer Treffen am 1000. Tag des großen russischen Krieges am Donnerstag das Berliner Treffen statt. Und unter der Berliner Erklärung stehen zwei Unterschriften mehr als unter der Warschauer Erklärung: die der Ukraine und die der Europäischen Union. Ganz entscheidende Unterschriften.
Die Berliner Erklärung dokumentiert als Erste den gefühlten Wandel der Narrative. Immer noch und immer wieder gilt „Nichts über die Ukraine ohne die Ukraine“. Aber jetzt kommt hinzu: „Nichts über Europa ohne Europa“. Mit den aussagekräftigen Unterschriften darunter. Viel mehr von Herzen als im Auftrag.
Ein neues europäisches Format kristallisiert sich heraus – in der Villa Borsig, wo ich als Politischer Direktor so oft bei den Normandie-Gesprächen war. Wo ich erlebt habe, wie Sergej Lawrow auf die Landkarte mit der ukrainischen Krim schaute und aus dem Raum stürmte. Und wo dieses Normandie-Format zum letzten Mal stattfand. Am 10. Februar 2022, zwei Wochen vor dem 24. Februar 2022.
Heute ist das anders. Ich habe damals mehrfach gesagt: „Wir brauchen keine Vermittler, wir brauchen Verbündete.“ Heute geht es so. Wir sitzen in einem Boot. Das Letzte, was wir wollen, ist, dass unser Boot „Titanic“ heißt.
Nichts über Europa ohne Europa. Weil die Ukraine Europa ist. Und weil für Russland dieser Satz ausreicht, um einen Krieg zu beginnen. Und zwar keinen Krieg in Europa, sondern einen Krieg gegen Europa.
Wir Europäer müssen diesen Krieg beenden. Denn wer sonst?
Europa ist stark, wenn es zusammensteht. Aber nicht durch diplomatische Floskeln und politische Klischees, sondern durch die Bereitschaft, mehr zu tun und den Willen, ehrlich miteinander zu reden. Vor allem, wenn es um Frieden geht. Um Frieden durch Stärke.
Das jüngste Treffen verlief ohne Protokoll. Es wurde einfach geredet. Protokollbeamte des Auswärtigen Amtes sagten: „Eine Choreografie ist nicht vorgesehen.“ Ich sah, dass sie auch nicht nötig war. Das Ensemble improvisierte harmonisch. Auch, wenn der Rhythmus dynamisch wechselt. Das Neue Europäische Konzert spielte die „Ode an die Freude“. Trotz allem und ohne Noten.
Als ich dem abfliegenden polnischen Regierungsflugzeug nachsah, fiel mir der Slogan „Für eure und unsere Freiheit“ ein. „Quatsch“, dachte ich. Unsere Freiheit ist doch unteilbar.